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Klub für
Ungarische Hirtenhunde e.V.

Gegr. 1922. Ältester Zuchtbuch führender Verein für die Rassen
Kuvasz, Komondor, Puli, Pumi, Mudi, Pyrenäenberghunde, Bergamasker

FCI-Rassestandard des Bergamaskers

FCI-Standard Nr. 194 / 01.03.2018 / DE

ÜBERSETZUNG: Frau Michèle Schneider und Frau Ruth Binder- Gresly. Ergänzt und überarbeitet von Astrid Hager. Durch den VDH überprüft / Originalsprache (EN).

URSPRUNG: Italien.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN OFFIZIELLEN STANDARDS: 13.11.2015

V
ERWENDUNG:
Als Hirtenhund liegen seine Aufgaben im Führen und Beschützen der Herden.

KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde
(ausgenommen Schweizer Sennenhunde).
Sektion 1: Schäferhunde.
Ohne Arbeitsprüfung.

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Der Bergamasker Hirtenhund ist eine alte Rasse von Herdenschutzhunden und war über die gesamte italienische Alpen- und Voralpenregion verbreitet; in den Bergamasker Tälern, wo besonders intensiv Schafzucht betrieben wurde, war der Bestand dieser Hunderasse ganz besonders groß. Der Hund war für die Schäfer besonders wichtig während des saisonalen Abtriebs der Herden von den Weidelandschaften der Alpenregionen in die Po-Ebene.
Die Darstellung der Rasse auf dem Bild eines bekannten Malers des 16.          Jahrhunderts    zeugt    von      den        historischen   Wurzeln      dieses Hirtenhunds. Im Italienischen Zuchtregister fanden die ersten Tiere im Jahr 1891 Erwähnung.

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Der Bergamasker Hirtenhund ist ein Hund mittlerer Größe, von rustikalem Aussehen, mit reichlich Fell an allen Körperpartien, kräftig gebaut, aber dabei sehr gut proportioniert. Seine Gestalt ist die eines Hundes von mittleren Proportionen, dessen Körper   sich mit einem Quadrat umfahren lässt.

WICHTIGE PROPORTIONEN: Die Körperlänge zwischen Buggelenk und Gesäß entspricht der Widerristhöhe.
Die Kopflänge erreicht 4/10 der Widerristhöhe. Die Brusttiefe muss 50 % der Widerristhöhe erreichen.

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN): Die Aufgabe des Bergamasker Hirtenhundes liegt im Führen und Bewachen der Herde, eine Arbeit, für die er sich dank seiner Wachsamkeit, seiner Konzentrationsfähigkeit und seines psychischen Gleichgewichts bestens eignet. Seine Fähigkeit, zu lernen und Entschlüsse zu fassen, vereint mit Gelassenheit und Geduld, machen ihn zum idealen Wach- und Begleithund und befähigen ihn zu den unterschiedlichsten Aufgaben. Mit dem Menschen geht er eine enge Bindung ein. Die Rasse darf nie aggressiv oder ängstlich sein, auch wenn eine gewisse natürliche Zurückhaltung den Hirtenhunden als typisch nachgesagt wird.

KOPF: Die Kopfform mit parallelen Ebenen steht proportional im Verhältnis zur Körperlänge. Der Kopf ist reichlich behaart, wodurch er größer wirkt. Die Fanglänge entspricht der Schädellänge. Die Haut darf nicht dick sein, aber fest und darf keine Falten bilden.

OBERKOPF:

Schädel: Von mittlerer Größe, die Schädelspitze ist eher flach und die oberen Profillinien von Schädel und Fang sind parallel. Die Schädelbreite darf die halbe Kopflänge nicht überschreiten. Die Stirnvorsprünge sind in Breite und Länge gut entwickelt. Die Augenbrauenbögen sind gut ausgeprägt. Die Stirnmittelfurche (metopische Sutur) ist betont; der Hinterhauptfortsatz ist gut definiert und ausgeprägt.

Stopp: Der Stopp ist gleichmäßig abfallend, aber betont aufgrund des ausgeprägten Nasen- und Stirnbeins, der Stirnhöcker und der Augenbrauenbögen.

GESICHTSSCHÄDEL:

Nasenschwamm: in einer Linie mit dem Fang mit gebogenem, oberem Profil, Nasenlöcher weit geöffnet, feucht, frisch und breit.
Im Profil betrachtet, darf er nicht hervortreten. Die Farbe des Nasenspiegels ist schwarz.

Fang: Er verjüngt sich zur Nase hin und seine Seitenflächen laufen dergestalt leicht aufeinander zu, dass der Fang zwar nicht spitz, aber von der Form eines Kegelstumpfes mit eher abgeflachter Frontseite ist. Die Fanglänge entspricht der Schädellänge. In der Mitte gemessen, erreicht die Breite etwa die Hälfte seine Länge. Die Fangtiefe darf die halbe Fanglänge nicht unterschreiten.
Die obere Linie des Fanges verläuft gerade und der Unterkiefer, nicht die Lefzen, bildet das untere Profil des Fangs. Aufgrund dieser Beschaffenheit ist der Lippenwinkel nicht hängend; der Lippenwinkel liegt auf einer vom äußeren Augenwinkel herabgeführten gedachten senkrechten Linie. Das Profil des Unterkiefers ist nahezu gerade.

Lefzen: Dünn und trennen sich unter dem Nasenspiegel und formen in einem langen Bogen einen Drittelkreis, sie sind wenig entwickelt und bedecken knapp die Zähne. Die Lefzenränder sind gut pigmentiert.

Kiefer/Zähne: Ober- und Unterkiefer sind gut entwickelt, der Unterkiefer ist besonders breit. Die Zähne sind weiß; vollständig und gut entwickelt; die Schneidezähne sind gleichmäßig ausgerichtet. Scherengebiss.

Backen: Wenig hervortretend.

Augen: Eher groß; aber weder hervorstechend noch eingesunken, Iris je nach Fellfarbe mehr oder weniger Kastanienbraun. Die Augen sind nach vorne gerichtet. Ihr Ausdruck ist sanft, heiter und aufmerksam. Die Form der Lidränder ist leicht oval, und die Augenlidwinkel fallen zur Horizontalen hin leicht ab. Die Lider liegen eng am Auge an, ihre Ränder sind gut schwarz pigmentiert; die Wimpern sind besonders lang, damit sie die Haare heben können, die von der Stirn vor die Augen fallen.

Ohren: Die halbhängenden Ohren sind hoch angesetzt, d.h. dass nur die beiden letzten Drittel des Ohrleders herabfallen. Bei Alarmbereitschaft des Hundes, richtet sich das Ohr am Ansatz leicht auf. Seine Form ist dreieckig. Die Länge des Ohres liegt zwischen 11 und 13 cm, seine Breite liegt bei 6,5 bis 8 cm.
Die Basis ist breit und verlängert sich nach hinten bis zum Genick hin, während sie nach vorne hin die Mitte des Schädels erreicht. Die Ohrspitze ist leicht gerundet.

HALS: Das obere Profil ist leicht konvex. Der Hals ist etwas kürzer als der Kopf. Die Haut ist niemals lose, zeigt demnach auch nie den Ansatz einer Wamme. Das Haar muss dicht sein.

RPER:

Obere Profillinie: Gerade.

Widerrist: Vorstehend und lang, gut entwickelt.

Rücken:
Gerade, gut bemuskelt und von guter Breite.

Lenden: Leicht konvex, verbindet fest Rücken und Kruppe. Die Lenden sind deutlich kürzer als der Rücken (gemessen von den Lenden zum Widerrist). Die Breite der Lendenpartie entspricht in etwa ihrer Länge; die Muskulatur ist in der ganzen Region gut entwickelt.

Kruppe: Breit, stark, gut bemuskelt und schräg, etwa um 30° zur Horizontalen geneigt.

Brust:
Muss breit und tief sein und bis zu den Ellbogen reichen.

Untere Profillinie und Bauch:
Die untere Linie des Bauchs ist nur wenig aufgezogen. Die Flanken sind nur minimal eingezogen.

RUTE: Sie ist im hintersten Drittel der Kruppe angesetzt, dick und kräftig an der Wurzel und verjüngt sich zur Rutenspitze hin. Sie ist mit leicht gewelltem „Ziegen“-Haar bedeckt. Ihre Länge reicht bei normalem Stand des Hundes bis zum Sprunggelenk; vorzugsweise sollte sie aber kürzer sein. In der Ruhestellung wird die Rute als „Säbelrute“ getragen, d.h. in ihren vorderen zwei Dritteln fällt sie herab, im letzten Drittel ist sie leicht aufgebogen. In der Bewegung schwingt sie der Hund wie eine Flagge.

GLIEDMASSEN:

VORDERHAND:
Allgemeines:
Die vorderen Gliedmaßen stehen, sowohl von der Seite als auch von vorne gesehen, senkrecht und sind gut proportioniert zur Größe des Hundes.

Schulter:
Die Schulterpartie ist gut gebaut und kräftig. Lang und schräg gestellt. Die Muskulatur muss stets gut entwickelt sein.

Oberarm: Gut bemuskelt und von kräftigem Knochenbau und gut beweglich. Der Öffnungswinkel zwischen Schulterblatt und Oberarmbein bewegt sich zwischen 105 und 125°.

Ellenbogen:
Die Ellenbogen liegen auf einer zur Medianebene des Körpers parallelen Ebene. Der Ellbogenhöcker muss auf einer gedachten senkrechten Linie liegen, die sich am hinteren Ende des Schulterblattes ansetzen ließe. Die Winkelöffnung zwischen Oberarmbein und Speiche bewegt sich zwischen 150 und 155°. Von Ellbogenhöhe an abwärts muss das Haar reichlich, lang und dicht sein; es erinnert an Wollflocken.

Unterarm: Gerade; mindestens so lang wie der Oberarm.
Muskulatur und Knochenbau sind gut entwickelt.

Fußwurzel: Sie liegt in der senkrechten Verlängerung des Unterarms. Trocken und gut beweglich, Erbsenbein deutlich hervortretend.

Vorderfußwurzelgelenk/Vordermittelfuß: Trocken und gut beweglich. Von vorne betrachtet, bildet er eine senkrechte Verlängerung des Unterarms. Von der Seite betrachtet, hat er eine leichte Neigung von hinten nach vorne.

Vorderpfoten: Von ovaler Form, enganliegende und gewölbte Zehen. Robuste Nägel, gebogen, gut pigmentiert und von dunkler Farbe. Ballen derb.

HINTERHAND:

Allgemeines: In Proportion zur Größe des Hundes. Von hinten betrachtet, sind die Hinterläufe senkrecht gestellt.

Oberschenkel: Lang, breit, gut bemuskelt, von hinten betrachtet leicht konvex. Die Hüftgelenkwinkel (zwischen Becken und Oberschenkel) variiert zwischen 100° und 105°.

Knie: Es liegt auf der vertikalen Ebene der Gliedmaßen und ist weder nach Außen noch nach Innen gedreht.

Unterschenkel: Trocken bemuskelt und mit kräftigem Knochenbau versehen. Die Unterschenkelauskehlung ist gut ausgeprägt. Zur Horizontalen ist er um etwa 55° geneigt.

Sprunggelenk: Die Außenfläche ist sehr breit. Sehr gut gewinkelt. Hintermittelfuß: Breit, senkrecht zum Boden stehend.

Hinterpfoten: Von ovaler Form, enganliegende und gewölbte Zehen. Robuste Nägel, gebogen, gut pigmentiert und von dunkler Farbe. Ballen derb.

GANGWERK: Frei mit langen Schritten; die bevorzugte Gangart ist ein recht langer, ausdauernder Trab. Dank seines Körperbaus kann der Hund leicht in den normalen Galopp wechseln, eine Gangart, die er ziemlich lange durchhalten kann.

HAUT: Eng am Körper anliegend und überall dünn, besonders aber an den Ohren und an den vorderen Gliedmaßen. Hals ohne Wamme und Kopf ohne Falten. Lefzen und Augenränder müssen schwarz sein.

HAARKLEID:

Haar: Sehr reichlich, sehr lang und je nach Körperregion verschieden. Es ist von harscher Textur (ähnlich dem Ziegenhaar) mit welligen Flocken auf der vorderen Körperhälfte, während es von der Mitte des Brustbereichs nach hinten hin wollig ist und breite Zotten unterschiedlicher Länge je nach Alter des Hundes bildet. Das wollige Fell unterliegt nicht dem Haarwechsel und verfängt sich mit der Unterwolle, die ziemlich lang und weich eine Art Filzhaarmatten formt, die als sehr nützlicher Schutzmantel dienen. Die Flocken beginnen an der oberen Profillinie und fallen über die Körperseiten herab. Auf dem Kopf ist das Haar weniger rau und es fällt über das Gesicht.. Die Haare auf den Ohren sind leicht gewellt und bilden spitze Fransen an den Spitzen. Auf den Gliedmaßen muss das Haar überall gleichmäßig verteilt sein und weiche Flocken auf den vorderen Gliedmaßen und verfilzte Flocken auf den hinteren Gliedmaßen bilden. Bei den Welpen ist das Fell weich, die Flockenbildung beginnt mit 12 bis 15 Monaten.
Ihre Länge ist abhängig vom Alter des Hundes, wobei noch kurzes Fell bei jungen Hunden keinen Fehler darstellt. Bei älteren Hunden sollte ein zu langes Haarkleid, das den Hund in seiner natürlichen Bewegung einschränkt und somit das Wohl des Hundes gefährdet, vermieden werden.
Das Fell sollte gepflegt und sauber sein, verfilzte Flocken sollten im Besondern bei Bart, Fang und Ohrklappen vermieden werden.

Farbe: Gleichmäßig grau oder mit Flecken in sämtlichen Graunuancen zwischen einem hellen Grau über ein dunkleres Grau bis zu Schwarz hin; Isabell-Töne oder Fawn-Schattierungen sind zugelassen. Das unischwarze Farbkleid ist zugelassen, wenn das Schwarz wirklich tiefschwarz ist.

GRÖSSE UND GEWICHT:

Widerristhöhe:
Rüden: Die ideale Widerristhöhe beträgt 60 cm.
Hündinnen: Die ideale Widerristhöhe beträgt 56 cm. Mit einer Toleranz von 2 cm nach oben oder unten.

Gewicht:
Rüden:         32 – 38 kg.
Hündinnen: 26 – 32 kg.

FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen  Bewertung  in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes sowie seine Fähigkeit, seine Aufgaben zu erfüllen, zu beachten ist.

  • Fehlender Geschlechtsdimorphismus

SCHWERE FEHLER :

  • Divergierende oder konvergierende Profillinien von Schädel und Fang.
  • Teilweise de-pigmentierter Nasenschwamm.
  • Irisheterochromie bi- oder monolateral (Teil der Iris blau), hervorstechende und eingesunkene Augen, ovale oder schräg stehende Augen.
  • Mehr als ein Zahn fehlt (außer PM1 und M3)
    Rute zu hoch oder zu niedrig angesetzt; zu hoch über dem Rücken getragen oder schlaff herabhängend.
  • Haarkleid ohne Differenzierung zwischen wolligem und Ziegenhaar, überall weich, kurz an den vorderen Gliedmaßen und am Fang, spärliche Behaarung der Rute, zu dick und zu lang, so dass die Funktion des Hundes beeinträchtigt wird.
  • Andere Farbe als im Standard festgelegt.
  • Ständig schlendernder Gang oder dauerhafter Passgang.
  • Größe über oder unter das im Standard festgesetzte Maß.

DISQUALIFIZIERENDE FEHLER:

  • Aggressiv oder übermäβig ängstliche Hunde.
  • Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.
  • Mangel an Typ.
  • Unproportionaler Kopf – klein oder zu groß.
  • Nasenschwamm, Lefzen oder Lidränder völlig de- pigmentiert.
  • Nasenrücken: Ramsnase oder konkaver Nasenrücken.
  • Glasauge (mono- oder bilaterale völlige De-pigmentierung der Iris). Kleine  Augen (Mikrophthalmie), Strabismus (Schielen).
  • Vorbiss.
  • Rückbiss.
  • Schwanzlosigkeit, Stummelschwänzigkeit, auf dem Rücken eingerollte Rute.
  • Weiße Haarfarbe auf mehr als 1/5 des gesamten Körpers.
 

N.B.

  • Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.
  • Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.